Evangelische Kirchengemeinde Rothenberg

Seligpreisungen für diese Tage                                   Zum Audruck als PDF


Selig sind die Menschen,

  • die ein Musikinstrument spielen und in diesen Tagen am Klavier sitzen und eine Sonate von Bach spielen oder auf der Violine Mozart erklingen lassen.
  • die auf dem Schlagzeug dem Rhythmus des Lebens nachspüren oder auf der Flöte den Vögeln eine Stimme geben.
  • die auf der Gitarre ein Lied anstimmen oder auf der Trompete den neuen Tag begrüßen.

Ihre Sprache ist jenseits der Worte und ihr Verstehen begreifen wir nicht,
aber ihr Klang erhebt das Gemüt und schenkt uns ein seliges Lächeln.


Selig sind die Menschen, die sich die Zeit nehmen und in diesen Tagen ein gutes Buch lesen. Ein Buch,

  • das mehr ist als ein billiger Ratgeber oder leichte Unterhaltung oder fesselnde Spannung,
  • das nicht zerstreut, sondern einsammelt,
  • das nicht ablenkt, sondern auf dem Lebensweg lenkt,
  • das nicht sachlich ist, sondern träumen lässt,
  • dass nicht Bekanntes bestätigt, sondern Neues entdecken lässt, in das ich mich vertiefen kann und verändert wieder herauskomme.

Solche Menschen kennen eine Nahrung, die den Geist satt macht.

 

Selig sind die Menschen,

  • die künstlerisch begabt sind und in diesen Tagen dem eine Gestalt geben, was sie wahrnehmen und bewegt.
  • Deren Kompositionen aus Farben, Linien und Formen etwas abbilden, was unsere Augen nur schwer erkennen können, wofür wir oft blind sind, weil uns die Geduld des verweilenden Blickes fehlt.

Sie lassen uns erkennen, was im Verborgenen darauf wartet, entdeckt zu werden. Bilder und Skulpturen weiten den Blick.

Sie erzählen von einer vergessenen Wirklichkeit, die zu uns gehört und manchmal aus der Enge befreit.


Selig sind die Menschen,

  • die in diesen Tagen in der Natur, im Wald, auf dem Wasser, in den Bergen oder auf dem freien Feld unterwegs sind und Zwiesprache halten mit dem, was ihnen begegnet.
  • die auf den Wind lauschen und sehen, wie er Bäume und Pflanzen bewegt,
  • die das Zwitschern der Vögel wie ein Konzert hören,
  • die Farben des beginnenden Frühlings zu einem Gemälde zusammenfügen,
  • die sich von Gerüchen durchduften lassen und die frische Erde als Versprechen in ihren Händen halten.

Sie haben eine Ahnung von unserer Verbundenheit mit der Mutter Erde, die uns umsorgt.

 

Selig sind die Menschen,

  • die schweigen können in diesen Tagen.
  • die nicht vorgeben eine Antwort zu haben auf die vielen Fragen.
  • die das Fragen lassen, weil die Antworten doch nur solange beruhigen, bis neue Fragen sie ablösen und sie so in einem unendlichen Kreislauf gefangen halten.

Sie haben keine Lösungen aber im Schweigen lösen sie sich aus dem Zwang, alles verstehen zu müssen.

Das Schweigen sucht keine Antwort, es ist das Verweilen in der Antwortlosigkeit, damit etwas Neues entstehen kann.

 

Selig sind in diesen Tagen die Stillen unter uns,

  • die Introvertierten, die In-sich-gekehrten, die man übersieht, auf die man nicht hört, weil sie nur mit leiser Stimme sprechen und denen das Laute zuwider ist.
  • die allein sein können, die es mit sich aushalten, denen selten die Decke auf den Kopf fällt, die sich zurückziehen können und mit sich und der Welt im Einklang leben.
  • Die dennoch feinfühlig sind für das, was um sie herum passiert, die Stimmungen erkennen und mit kleinen Gesten ganz nahe sein können.
  • Die nicht viel reden, aber wenn sie den Mund aufmachen, mit wenigen Worten nachhaltig wirken.

Sie leben im Bewusstsein ihrer Würde und zeigen uns, wie das geht.

 

Selig bist du,

  • wenn du in diesen Tagen nicht ständig die Nachrichten hörst,
  • Zeitungen studierst,
  • im Internet recherchierst,
  • auf dem Smartphone die neuesten Mitteilungen abrufst
  • das Telefon dauerhaft blockierst.

Selig bist du, wenn du deine Sorge, deine Angst, deine Verunsicherung nicht mit Aktionismus verdrängst, sondern dir eingestehst und den Mut hast, dich in deiner Ratlosigkeit wenigstens ein paar Atemzüge lang einfach nur auszuhalten.

Solange du vor dir selbst wegläufst kann es keine heilsame Begegnung geben.

 

Jörg Awischus

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